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The Franconian Dictionary (WBF)

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Das Fränkische Wörterbuch widmet sich dem Sammeln, Analysieren, Bewahren und der Weitergabe des Kulturguts Dialekt. Der Bestand an bereits ausgefüllten Fragebögen und Karteikarten wurde zunächst archivarisch durch Scanarbeiten gesichert und wird nun in einer umfassend recherchierbaren Datenbank erfasst. Die folgende Grafik stellt die verschiedenen Erhebungsserien des Dialektmaterials dar. Die anschließende Tabelle listet die wichtigsten Ereignisse des Fränkischen Wörterbuchs in chronologischer Reihenfolge auf, welchen sich weiterführend detailliert gewidmet wird. 


Überblick der wichtigen Ereignisse

1912

Die Königlich Bayerische Akademie der Wissenschaften und die Kaiserlich Österreichische Akademie der Wissenschaften beschließen, gemeinsam ein Wörterbuch des bairischen Dialekts zu erarbeiten.

1913

Das Vorhaben beginnt mit dem Versand von Fragebögen zum Dialekt. Die Münchner Redaktion bezieht auch die Regionen Bayerns mit ein, in denen kein bairischer Dialekt gesprochen wird – darunter auch Franken.

1915

Der Erste Weltkrieg unterbricht die Dialekterhebung.

1927

Neuer Anlauf: Versand der „Mundartgeographischen Fragebögen“.

1932

Der Erlanger Germanistikprofessor Friedrich Maurer beginnt mit eigenen Forschungen zum fränkischen Dialekt. Versand von neuen Fragebögen, den „Maurer-Bögen“.

1933

Die Akademie richtet in Erlangen eine gesonderte Redaktion für ein „Ostfränkisches Wörterbuch“ ein. Leiter ist Friedrich Maurer. Aufbau der Zentralkartei, Verzettelung und Lemmatisierung der Belege seit 1913.

1941

Der Zweite Weltkrieg unterbricht die Dialekterhebung.

1960

Neubeginn: Der Erlanger Philologe Siegfried Beyschlag veranlasst eine Wiederbelebung der Erhebungen. Versand neuer Fragebögen, den „Nachkriegsbögen“ im Vier-Monats-Takt und Beantwortung durch hunderte ehrenamtliche Mitarbeiter. 

1963

Die Bayerische Akademie der Wissenschaften stattet die Erlanger Redaktion mit einer Planstelle für einen Redaktor aus. Erich Strassner wird Redaktor.

1963-2001

Erhebungsarbeit anhand von Fragebögen und Mündlichen Befragungen (1967).

1967

Eberhard Wagner wird Redaktor.

2001

Beendigung des Fragebogenversands. Das Archiv wird geschlossen.

2003

Beschluss der Kommission für Mundartforschung der BAdW auf die Buchpublikation des Fränkischen Wörterbuchs zugunsten eines digitalen Wörterbuchs zu verzichten. Alfred Klepsch wird Redaktor.

2012

Kooperationsvertrag der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und der FAU Erlangen. Die Erlanger Germanistin Mechthild Habermann wird Projektleiterin.
Umbenennung des Projekts von „Ostfränkisches Wörterbuch“ in „Fränkisches Wörterbuch“.

2013

Die Fragebögen und Karteikarten werden gescannt mit Mitteln der fränkischen Bezirksregierungen.

2015

Alfred Klepsch und Almut König arbeiten zu je 50% als Redaktoren.

Dezember 2016

Das Fränkische Wörterbuch ist über das Internet unter www.wbf.badw.de frei zugänglich.

2018

 

 

Im April 2018 wird die Stelle von Frau König auf 100% aufgestockt.
Frau Studiendirektorin Dr. Elisabeth Demleitner wird an den Lehrstuhl für Germanistische Sprachwissenschaft abgeordnet. Sie leitet das Projekt "Sprachsensible Schule" und arbeitet eng mit dem WBF zusammen.

2020

Prof. Dr. Alfred Klepsch tritt in den Ruhestand ein. Seine Nachfolge übernimmt Dr. Almut König.
Die Redaktion des WBF zieht um in die Bismarckstraße 6 in Erlangen.

2021

Frau Studiendirektorin Frau Dr. Elisabeth Demleitner kehrt in den Schuldienst zurück.

Die Daten aus dem Fränkischen Wörterbuch sind über das gemeinsam mit dem Bayerischen Wörterbuch (BWB), dem Digitalen Informationssystem von Bayerisch-Schwaben (DIBS) und der IT-Abteilung der BAdW erarbeiteten Online-Portal "Bayerns Dialekte Online (BDO)" in Form von automatisch zusammengestellten Wörterbuchartikeln abrufbar.

2022 Das WBF ist seit dem 26. Januar über BDO mit dem Wörterbuchnetz Trier www.woerterbuchnetz.de verbunden. Die Updates erfolgen monatlich. 

 


1780-1850: Anfänge der Dialektologie im deutschen Sprachraum

Seit dem frühen 19. Jahrhundert prognostizierten Philologen den baldigen Untergang der Dialekte und wiesen auf deren Bedeutung als lebende Denkmäler älterer Sprachstufen und als Quelle für die Geschichtswissenschaft hin. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts entstanden bereits erste Lokalwörterbücher wie Häßleins Nürnberger Idiotikon (1781).

Nach dem Erscheinen von Johann Andreas Schmellers Pionierwerk „Bayerisches Wörterbuch“ (in zwei Bänden 1827-1837) setzte ein breites wissenschaftliches Interesse vorwiegend an der lexikalischen Dokumentation der Dialekte ein. Dies führte zur Erstellung von Großraumwörterbüchern, deren Finanzierung durch die damaligen Feudalstaaten, in der Regel über deren wissenschaftliche Akademien gesichert wurde. Aus diesem Grund entsprechen die Untersuchungsgebiete der Wörterbuchprojekte eher der politisch-administrativen Geographie als der sprachlichen. So bezieht das „Schwäbische Wörterbuch“, das mit Hilfe des Königreichs Württemberg entstand (erschienen in sieben Bänden 1904-1936), nicht nur die schwäbischen Mundarten des südlichen sondern auch die fränkischen des nördlichen Württemberg mit ein. Auch Schmellers Bayerisches Wörterbuch sollte das gesamte Gebiet des damaligen Königreichs einschließlich der Rheinpfalz abdecken. Es hat aber im Ergebnis doch seinen eindeutigen Schwerpunkt im (alt)bairischen Dialektraum, Belege aus Franken sind seltener.

1870-1912: Das neue Bayerische Wörterbuch

Schmellers Bayerisches Wörterbuch wurde 1872 durch den Nürnberger Georg Karl Frommann bearbeitet und neu herausgegeben. Die Bearbeitung beschränkte sich aber auf Formalia: Querverweise von Artikel zu Artikel und ein Register der Lemmata in alphabetischer Reihenfolge.

Anfang des 20. Jahrhunderts war man der Auffassung, dass ein vollkommen neues Wörterbuch des bairischen Dialekts geschaffen werden müsse. Das Material dafür solle durch Befragung von Mundartsprechern systematisch erhoben werden. Schmeller hatte seine Sammlung aus Eigenkompetenz, unsystematischen ad-hoc-Befragungen und historischen Schriftquellen zusammengetragen.

Man beabsichtigte den gesamten bairischen Dialektraum einzubeziehen, der sich östlich der Grenzen des Königreichs Bayern über weite Gebiete Österreich-Ungarns erstreckte. Es gab eine diesbezügliche Korrespondenz mit der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien. Im Jahr 1912 genehmigten die beiden Akademien ein gemeinsames Projekt, dessen hochgesteckte Ziele bis heute bei weitem noch nicht erreicht sind.

Man nahm sich vor, den aktuellen Mundartwortschatz durch postalische Sammlung anhand von Fragebögen und spontanen Einsendungen zu erheben. Dies sollte in Altbayern und in dem ganzen Gebiet der Donaumonarchie geschehen, wo auch immer dort bairische Mundarten gesprochen wurden. Die so gewonnenen Daten sollten nicht nur für ein Wörterbuch, sondern auch für einen Sprachatlas ausgewertet werden.

Für Österreich bedeutete dieses Projekt, dass der größte Teil der in diesem Bereich gesprochenen deutschen Mundarten damit abgedeckt war, denn außer dem Bairischen gab es hier nur relativ kleine Areale anderer Dialekte, wie das Ostmitteldeutsche in Böhmen und Mähren, das Westmitteldeutsche in Siebenbürgen und das Alemannische in Vorarlberg und Tirol.

In Bayern sprach aber weniger als die Hälfte der Bevölkerung bairisch. Im Regierungsbezirk Schwaben dominierten das Alemannische und das Schwäbische, in Ober- Mittel- und Unterfranken das Ostfränkische und in der damals noch zu Bayern gehörenden Rheinpfalz das Rheinfränkische.

Deshalb war von Anfang an vorgesehen, in Bayern die Sammelarbeit landesweit zu betreiben, also unter Einbeziehung Frankens und der Pfalz. Somit konnte auch der Grundstock für ein ostfränkisches und ein pfälzisches Wörterbuch gelegt werden.

1913-1940: Gesamtbayerische Erhebungen mit dem „Systematischen Fragebogen“

Zur praktischen Durchführung der Erhebungen wurden in Wien und München sogenannte „Kanzleien“ eingerichtet. Hier wurden die Fragebögen entworfen, versandt und deren „Rücklauf“ sortiert. Die Münchner Kanzlei wurde mit dem „wissenschaftlichen Hilfsarbeiter“ Otto Maußer besetzt.

Die Erhebungen begannen 1913 mit dem Versand des ersten Bogens des Typus „Systematischer Fragebogen“. Mit diesen Bögen sollte der Wortschatz in seiner ganzen Breite abgefragt werden. Jeder Bogen hatte ein Leitthema – der erste ging über das Thema „Kopf“. Es wurde nicht nur nach dem Basiswort und dessen Bedeutungsspektrum gefragt :“Haupt eines Menschen oder Tieres“ , „kugelförmige Blüte“, „Salat- und Kohlkopf“…, sondern auch nach Zusammensetzungen (Wasserkopf, Kopfstück…), Vergleichen (Fischkopf) und Redensarten (etwas im Kopf haben), Bräuchen (Präparieren von Totenschädeln für separate Beisetzung …).

Die „Gewährsleute“, die diese Fragen beantworten sollten, waren in der Mehrzahl Volksschullehrer, die wiederum alteingesessene Personen aus ihrem Schulort befragten. Die Sammler erhielten eine gedruckte „Belehrung für die Sammler des Bayerisch-Österreichischen Wortschatzes“ und einige Blöcke mit Abreißzetteln des Formats 12 x 7 cm. Auf den Zetteln sollten die Fragen in lautgetreuer Schreibweise Wort für Wort beantwortet werden.“

1927-1940: Gesamtbayerische Erhebungen mit den „Mundartgeographischen Fragebögen“

Nach dem ersten Weltkrieg wurde Friedrich Lüers Redaktor des Bayerischen Wörterbuchs. Er setzte sich besonders für das Forschungsziel der Dialektgeographie ein. Auf diesem Gebiet war man in Wien schon weit fortgeschritten, es lagen 1924 bereits 20 laut- und wortgeographische Karten vor.

Gemeinsam mit dem Österreicher Eberhard Kranzmayer unternahm Lüers ab 1927 sogenannte „Kundfahrten“ im Arbeitsgebiet des Bayerischen Wörterbuchs. Die beiden führten direkte Befragungen von Gewährspersonen durch und erzielten gute Ergebnisse. Die direkte Exploration ist zwar eine sehr effiziente Forschungsmethode, andererseits aber teuer und personalintensiv. Da auf Dauer die Mittel fehlten, musste man die Masse des für die Dialektgeographie benötigten Materials eben doch postalisch erheben. Mit den wenigen Korrespondenten, die in den 1920er Jahren noch auf die „Systematischen Fragebögen“ antworteten, war das nicht zu bewerkstelligen. Das Ortsnetz, das auch in Österreich im Grunde zu weitmaschig war, musste wesentlich dichter werden. Um in vertretbarer Zeit zum Ziel zu kommen, musste die Zahl der abgefragten Wörter und Strukturen je Befragungsaktion erhöht werden. Aus diesen Erwägungen entstand der Typus der „Mundartgeographischen Fragebögen“. Die insgesamt 291 versandten Bogenserien lagen der von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften herausgegebenen Wochenschrift zur Pflege von Heimat und Volkstum“ bei. Die Zeitschrift wurde von Amts wegen an alle Schulleitungen versandt. Die Bögen enthielten in der Regel etwa 30 kurze, prägnante Fragen. Der Umweg über Zettel entfiel, stattdessen wurden die Antworten auf den Bögen direkt vermerkt.

Die Enquête hatte Erfolg: Bogen für Bogen gab es einen Rücklauf von etwa 150 aus Franken, 250 aus Altbayern. Die Antworten wurden zur Datengrundlage für Kranzmayers Dialektatlas, der aber nie in der geplanten Form erschienen ist. Gegen Ende des zweiten Weltkriegs wurden die Druckplatten für die Karten bei einem Bombenangriff zerstört.

1931-1941: Friedrich Maurer und das Ostfränkische Wörterbuch

Die Münchner Redaktion hatte in der Zeit ab 1912 ihre Fragebögen auch außerhalb des Verbreitungsgebiets des bairischen Dialekts versandt. Insbesondere die „Mundartgeographischen Fragebögen“ wurden auch von fränkischen Korrespondenten beantwortet. Aber mit durchschnittlich 150 Orten war das Netz der Mitarbeiter noch zu weitmaschig. Dies änderte sich erst, als der germanistische Sprachhistoriker Friedrich Maurer in Erlangen eine eigene Redaktion für ein „Ostfränkisches Wörterbuch“ gründete.

Friedrich Maurer, geb. 1898 in Lindenfels (Hessen), studierte in Heidelberg und Gießen Klassische Philologie und Indogermanistik. 1925 habilitierte er sich in Gießen für das Fach Deutsche Philologie. 1931 wurde er als Ordinarius an die Universität Erlangen berufen. Als Schüler von Otto Behaghel konzentrierte er seine sprachhistorischen Forschungen auf das Gebiet der Dialektologie und Dialektgeographie.

Mit Hilfe seiner Assistenten begann er 1932 mit eigenen Erhebungen zu den ostfränkischen Mundarten Bayerns, Badens und Württembergs. Es wurden „Kundfahrten“ unternommen, bei denen in direkter Exploration zunächst einmal die genaue Lautgeographie im Arbeitsgebiet untersucht wurde. Ein Netz von 50 freien, ehrenamtlichen Mitarbeitern entstand. Im Jahr 1932 wurde ein Fragebogen mit 100 Fragen zu Lautung und Wortschatz entworfen. Dieser Fragebogen wurde als Beilage zum „Bayerischen Schulanzeiger“ zunächst an alle Schulen innerhalb der drei fränkischen Regierungsbezirke Bayerns versandt. Auch im nördlichen Baden und Württemberg gab es, wenn auch nicht so zahlreich wie in Bayern, Korrespondenten, die den Fragebogen beantworteten.

Bis 1934 gingen in Erlangen 2919 bearbeitete Exemplare ein. Selbst Georg Wenkers Deutscher Sprachatlas erreichte kein Ortsnetz von dieser Dichte.

1945-1962: Neubeginn nach dem zweiten Weltkrieg

Der Krieg bedeutete auch für die Dialektologie in Bayern eine Katastrophe. Die Mitarbeiter der Redaktionen in München und Erlangen mussten an die Front. Kranzmayers Sprachatlas wurde in München von Fliegerbomben vernichtet. Die Erlanger Zettelkartei wurde in einem Luftschutzbunker aufbewahrt, geriet aber bei Transport und Einlagerung gründlich durcheinander.

Viele Jahre lang geschah nun kaum noch etwas. Die Mitarbeiter des Münchner Wörterbuchprojekts zerstritten sich mit den Mitarbeitern der Wiener Arbeitsstelle. Man konnte sich nicht darauf einigen, bei welcher Redaktion das bisher gesammelte Material ausgewertet werden solle. 1953 wurde das Tischtuch zerschnitten und seither wird in München an einem nur auf Altbayern bezogenen „Bayerischen Wörterbuch“ und in Österreich am „Wörterbuch der bairischen Mundarten in Österreich“ gearbeitet.

In Erlangen war die Arbeit am „Ostfränkischen Wörterbuch“ gänzlich zum Erliegen gekommen. Der 1955 auf Maurers Lehrstuhl berufene Ernst Schwarz war ein renommierter und umtriebiger Dialektologe. Er war Sudetendeutscher und hatte seine wissenschaftliche Karriere an der Deutschen Universität Prag begonnen. Auch die Dialektologie in Erlangen verdankt ihm viel.

Nur für die Neubelebung des Ostfränkischen Wörterbuchs unter seiner Leitung konnte er sich nicht erwärmen. „Da möchte‘ ich mein Leben lang nicht damit fertig werden“ soll er gesagt haben. So sprang der Erlanger Mediävist Siegfried Beyschlag in die Bresche. Er selbst war zwar kein Dialektologe, er ließ aber seine Assistenten Otmar Werner und Reinhold Grimm an einer neuen Serie von Fragebögen arbeiten.

1960 wurde der erste Bogen versandt. Etwa die Hälfte der gestellten Fragen ist im Stil der „Wenkersätze“ des Deutschen Sprachatlasses formuliert. Ein vorgegebener standardsprachlicher Satz soll von den Probanden in ihre Mundart übersetzt werden. Auf diese Weise beabsichtigte man, über den reinen Wortschatz hinaus auch grammatikalische Eigenheiten der Mundarten zu erfassen.

1963-1967: Redaktor Erich Straßner

Im Jahr 1962 griff die Bayerische Akademie der Wissenschaften wieder ein. Damit die Wörterbucharbeit nicht mehr so stark von den Forschungsinteressen des Lehrstuhlinhabers abhängig war, schuf man eine Planstelle für einen wissenschaftlichen Redaktor und 1964 für eine Verwaltungskraft. Die Redaktorenstelle wurde mit Erich Straßner besetzt, der sie bis 1967 innehatte.

Neben der kontinuierlichen Fortsetzung des Fragebogenversands bemühte sich Straßner um die Neuordnung der Kartei aus der Vorkriegszeit. Abertausende von Zetteln wurden durch studentische Hilfskräfte mit Stichwörtern versehen und dann alphabetisch sortiert in Karteikästen abgelegt. Die „Zentralkartei“ besteht heute aus 317 Kästen mit jeweils 2500 bis 3000 Kärtchen.

Jahr für Jahr wurden drei Serien von Fragebögen versandt. Von den sperrigen Übersetzungs-Sätzen wandte man sich ab. Unter Straßners Ägide wurden nun volkskundliche Fragestellungen in den Vordergrund gerückt. Bogen 10 von 1963 enthielt z. B. ausschließlich Fragen zum Kirchweih-Brauchtum, Bogen 12 hat seinen inhaltlichen Schwerpunkt auf dem Brauchtum zur Weihnachtszeit.

Zwar mag diese eher außersprachliche Thematik anstelle der grammatikalisch-strukturellen vielen Gewährspersonen lieber gewesen sein, die Zahl der Mitarbeiter ging dennoch immer mehr zurück. 1963 kamen noch im Durchschnitt 600 Bögen je Serie zurück, während Bogen 23 von 1966 nur noch von 235 Korrespondenten beantwortet wurde.

Der Grund für den Rückgang dürfte in erster Linie bei den Reformen im bayerischen Schulwesen zu suchen sein. Die Ansprechpartner für die Redaktion waren ja ganz überwiegend Lehrer an ländlichen Volksschulen. Gemäß dem 1961 verabschiedeten Schulverbandgesetz sollten insbesondere die ländlichen Kleinstklassen in zentrale Verbandschulen integriert werden. Infolgedessen verringerte sich die Anzahl der Orte, in denen es Schulen gab und damit dünnte auch das Ortsnetz der Wörterbucherhebung immer weiter aus.

1967-2003: Redaktor Eberhard Wagner

Wagner, gebürtiger Thüringer und mit der Nachkommenschaft des Komponisten nicht verwandt, wuchs in Bayreuth auf und lebt auch heute wieder dort. 36 Jahre lang war er Redaktor des Ostfränkischen Wörterbuchs.

Unter seiner Leitung stabilisierte und verstetigte sich die Erhebungsarbeit. Die von ihm verfassten Fragebögen zeichnen sich durch eine gelungene Mischung aus linguistischer und außersprachlicher Thematik aus. In den ersten Jahren wurde die unter Straßner begonnene Abfrage volkskundlicher Inhalte fortgesetzt, nahm aber nicht mehr so viel an Umfang ein.

Um die infolge der indirekten Erhebungsmethode immer wieder auftretenden Missverständnisse zu minimieren, feilte Wagner an Stil und Präsentation der Fragen.

2003-2020: Redaktor Alfred Klepsch

Als die Kommission für Mundartforschung 2003 nach längerer Diskussion beschloss, die Redaktorenstelle nach Wagners Ausscheiden in den Ruhestand neu zu besetzen, wurde das Ziel der redaktionellen Arbeit neu definiert. Nicht eine klassische Buchpublikation, sondern eine digitale Veröffentlichung im Internet solle angestrebt werden. Im Jahr 2004 wurde die EDV-gestützte Auswertung des Materials in Angriff genommen. Es galt, eine Basis zu schaffen, die es ermöglicht, die Lemmatisierung und Sortierung der vorhandenen Belege effizienter als anhand einer Zettelkartei durchzuführen und dies auch unabhängig von den in der Redaktion angesammelten Dokumenten. 2005 entstand zunächst ein Verzeichnis aller beim postalischen Versand gestellten Fragen. Aufgrund dieses Verzeichnisses wurde nun eine zielgenaue Suche nach Belegen für bestimmte Begriffe möglich. Man kann über das Verzeichnis feststellen, in welchem Teilmaterial Belege für ein bestimmtes Wort oder Wortfeld gehäuft vorkommen.

In den Jahren 2003 bis 2007 arbeiteten Eberhard Wagner und sein Nachfolger Alfred Klepsch aber vordringlich an der Herausgabe des kleinen ostfränkischen Wörterbuchs, an dem Wagner seit Mitte der 1990er Jahre gearbeitet hatte. Die bereits verfassten Artikel wurden hinsichtlich der Lautschrift und Zitierweise vereinheitlicht, weitere ergänzende Artikel wurden geschrieben. Außerdem entstand eine Serie von 32 Sprachkarten, die die Verbreitung der mundartlichen Bezeichnungen für einzelne Begriffe darstellen. Die Bezirksregierungen von Unter- und Mittelfranken, insbesondere aber von Oberfranken finanzierten den Druckvorschuss, das Wörterbuch erschien im Oktober 2007 beim Verlag Fränkischer Tag in Bamberg. Das Auswahlwörterbuch mit ca. 4000 Stichwörtern trägt den Titel „Handwörterbuch von Bayerisch-Franken“. Das Wort „Bayerisch-Franken“ sorgte in der Öffentlichkeit für Diskussionen. Es wurde von den Autoren und dem Herausgeber, der Kommission für Mundartforschung an der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, gewählt, um auszudrücken, dass sich das Untersuchungsgebiet nur auf den Teil Frankens bezieht, der innerhalb des bayerischen Staatsgebiets liegt. Anstatt eines Sprachnamens wie „Ostfränkisch“ wurde ein geographischer Begriff verwendet, weil innerhalb des Untersuchungsgebiets mehrere Dialekte verbreitet sind, deren Wortschatz durch das Handwörterbuch dokumentiert wird.

In den Jahren 2008 bis 2010 konzentrierte sich die Arbeit in der Redaktion auf die Dokumentierung des Belegmaterials. Die Herkunft jedes einzelnen Fragebogens und die Identität von dessen Bearbeitern musste zum Teil mit detektivischen Methoden überprüft werden. Die Angaben, die auf den Bögen selbst eingetragen sind, waren oft unvollständig oder unrichtig. Im Verlauf dieses Arbeitsschritts gelang es, für nahezu alle Bögen den Ort, auf dessen Sprache sie sich beziehen, zu ermitteln. In der ganz überwiegenden Mehrzahl konnten auch die Sozialdaten der Bearbeiter ermittelt werden: Geburtsort, Wohnort, Geschlecht, Alter und Beruf.

Bereits 2004 begannen die vorbereitenden Arbeiten für die geplante Online-Datenbank. Vorwiegend von externen Aushilfskräften wurden die Antworten auf den Fragebögen anhand von Fotokopien in Excel-Tabellen abgeschrieben.

Die in den Jahren 2004-2010 noch nicht zweifelsfrei festliegenden Metadaten, insbesondere die Ortssiglen, wurden von der Verwaltungskraft der Redaktion überprüft und ggf. korrigiert.

Im Jahr 2010 bahnte sich ein Umbruch an. Die Bayerische Akademie der Wissenschaften begann mit der Evaluierung ihrer landesinternen Projekte. Das Ostfränkische Wörterbuch mit seiner Redaktion in Bayreuth wurde im Herbst 2010 von drei externen Gutachtern (Dialektologen aus Würzburg, Freiburg und Wien) evaluiert. Das Ergebnis war ausgesprochen positiv.

Nachdem die Stadt Bayreuth für die Räume der Redaktion Eigenbedarf angemeldet hatte, wurde ein Umzug zurück nach Mittelfranken geplant. 2012 kam ein Kooperationsvertrag zwischen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und der Bayerischen Akademie der Wissenschaften zustande. Die Leitung des Projekts hat nun die Inhaberin des Lehrstuhls für Germanistische Sprachwissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Frau Prof. Dr. Mechthild Habermann, inne.

Ende Mai 2012 zog die Redaktion mit allen Dokumenten nach Fürth um. Hier stellte das Projekt „Uferstadt“, das anteilig einer privaten Holding und der Stadt Fürth gehört, mietfrei Räume zur Verfügung.

Im selben Jahr stimmte die Kommission für Mundartforschung der Umbenennung des Projekts „Ostfränkisches Wörterbuch“ in „Fränkisches Wörterbuch“ zu.

2013 wurde dank einer finanziellen Zuwendung der drei fränkischen Bezirksregierungen das gesamte hand- und maschinenschriftliche Material des Projekts ‒ zehntausende von ausgefüllten Fragebögen, hunderttausende von Karteikarten – eingescannt. Nun endlich sind die Dokumente gesichert und nicht mehr durch den allmählichen Verfall des Papiers oder durch eine Brandkatastrophe bedroht. Die Bilddateien über das Online-Wörterbuch sind für jedermann einsehbar.

Investition in die Zukunft: Digitale Dialektlexikographie

Die im Jahr 2012 vertraglich geregelte Kooperation der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und der Universität Erlangen-Nürnberg gibt dem Projekt Fränkisches Wörterbuch neue Impulse. Das WBF erfasst den Belegbestand digital, um ihn schließlich als Online-Wörterbuch zu veröffentlichen. Dies erfordert einen großen Arbeitsaufwand, vor allem für die Eingabe der handschriftlichen Originalbelege.

Damit Franken nicht mehr nur als weißer Fleck der Dialektlexikographie zwischen dem Südhessischen, dem Thüringischen, dem Schwäbischen und dem Bayerischen Wörterbuch existiert, bedarf es eines Kraftakts, der momentan noch gelingen kann. In der Öffentlichkeit besteht aber weiterhin ein lebhaftes Interesse an den im Norden Bayerns gesprochenen Dialekten. Zudem existieren Personen, deren Dialektkompetenz für die Eingabearbeit fruchtbar gemacht werden kann, und schließlich ermöglichen die zunehmend besseren Methoden der EDV eine zügigere Bearbeitung, Sortierung und Klassifikation des vorliegenden Materials.